USA: Die bösen Zölle – Musk in Lauerstellung

Es ist wie ein Hütchenspiel: Man weiß, Stand heute, bei den mutmaßlichen US-Zöllen auf Bier nicht, was am Ende wo steckt und wie die Sache ausgeht. Die USA nehmen fast alles ins Visier – womöglich auch eine umstrittene Verrechnungspraxis bei Importeuren.

Entgegen der Lesart der Brewers of Europe, dass zumindest Dosen-Bier beim Import in die USA generell mit 25% Zoll belegt wird (und damit quasi Aluminium-Derivat wird), verzollen deutsche Brauer und ihre (bisweilen eigenen) Importgesellschaften in den USA, Aluminium und Inhalt, also Bier, getrennt: 25% auf die Dose, 10% auf den Inhalt. Bier in Flaschen würde demnach mit 10%, Bier in Mehrweg-Fässern evtl. auch (noch) mit 10% verzollt. Ob und wie lange diese Strategie verfängt – unklar. Die Berechnung des Zolls basiert auf dem Einkaufspreis, den die Brauerei dem Importeur ab Werk berechnet. Nur der free on board (FOB)-Preis der Brauerei an den Importeur für das Bier in Dosen, nicht die Logistikkosten des Importeurs, wird mit Zoll belegt. 

Aktuelle Zahlen aus Importeurskreisen in den USA taxieren den Betrag des 25%-Zolls auf Dosenaluminium bei einem 24x0,5 Liter-Tray auf 3,70 Dollar bei einem durchschnittlichen FOB-Exportpreis von 13 Euro/24x0,5 Liter. Die meisten Importeure bezahlen die deutschen Inlandsfrachtgebühren bis zum Hafen, die Seefracht und die US-Hafengebühren inklusive Zoll, Zöllen, Verbrauchsteuern und Rollgeld – mit bisweilen skurrilen Folgen, die laut Quellen aus den USA nun unter Beobachtung der Steuerbehörde Internal Revenue Service (der gefürchteten „IRS“) stehen. Hauptmerkmal: eine mutmaßliche Kultur von Verrechnungspreisen, die den Importwert der Ware auf dem Frachtbrief des Importeurs als Teil der Unterlagen des Spediteurs beim US-Zoll möglichst kleinrechnen. Später erhält der Importeur eine Rechnung zum selben Preis wie im Frachtbrief ausgewiesen – plus „Werbe-“ oder „Unterstützungsgebühr“, die dann den tatsächlichen Kosten entspricht, die die Brauerei dem Importeur pro Kiste oder Fass Bier berechnet. 

Anders sah es offenbar lange Zeit bei Brauereien mit eigenen US-Importtöchtern (in Deutschland u.a. Paulaner, Radeberger) aus. INSIDE liegen Informationen vor, wonach in einzelnen Fällen solche US-Töchter über hohe Importpreise so ausgestattet wurden, dass sie in den USA nur einen geringen Gewinn erzielten. Der niedrige Ertrag reduzierte ihre US-Einkommensteuerschuld, während der durch den erhöhten Preis erzielte Mehrgewinn im Produktionsland der Muttergesellschaft verblieb. Das wird zunehmend kritisch gesehen. Zuletzt hieß es in den USA, dass sich Elon Musk mit seiner Task Force (DOGE) selbst um solche tricky Systeme kümmern soll. 

Lachender Dritter bei all dem Gewurstel ist dem Vernehmen nach wohl wieder mal AB Inbev, das seine Aluminium-Dosen hauptsächlich von inländischen US-Herstellern bezieht. Viele andere Fragen hingegen sind dem Hörensagen nach noch ungelöst oder unklar: Zum Beispiel die, ob und wie Mehrweg-KEG-Fässer aus Stahl verzollt werden, die wieder aus den USA heraus in die Herkunftsländer zurück exportiert werden.       

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