Adelholzen: Hoechter zieht die Notbremse

Intermezzo: Silke Reuter

Die neue Gf Silke Reuter hatte beim oberbayerischen A-Marken-Brunnen deutlich weniger Freunde als Follower in ihren sozialen Accounts. Ihr kurzes Intermezzo beendete ihr Vorgänger, der jetzt wieder gefragt ist. 

Wie offenbar für alle Leute, die sich bei LinkedIn verabschieden, war auch für Silke Reuter ihr kurz geratener Gastauftritt bei den Adelholzener Alpenquellen „von Anfang an eine unglaubliche Reise“. Um ihren schnellen Abgang nach weniger Wochen (INSIDE-Hot Shot vom 18.2.) in warmes Licht zu tauchen, klöppelte Reuter noch reichlich Abschieds-Prosa hinzu: „Ich habe wertebasierte und sinnorientierte Führung gelebt, eine neue Kommunikationsstrategie auf Basis des Purpose aufgegleist und neue Initiativen in den Bereichen Innovationen, Sponsoring, Marktbearbeitung und Digitalkommunikation gestartet sowie einen neuen Strategieprozess initiiert.

„Eine Kommunikationsstrategie auf Basis des Purpose aufgleisen?“ In Adelholzen?

Viele können sich in Adelholzen gar nicht mehr an die Zeit erinnern, in der Stefan Hoechter dort in den Neunzigerjahren als Geschäftsführer anfing. Eine himmlische Ewigkeit, sanft begleitet von der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz vom Paul, die Jahr für Jahr Millionen schwere Gewinnausschüttungen aus Adelholzen überwiesen bekommen – vor einigen Jahren 7, zuletzt im Haushalt 2023 noch 4 Mio Euro. INSIDER bescheinigen Hoechter die in diesem Umfeld überlebenswichtige Gabe, geräuschlos Innovation mit Tradition zu vereinen und darin extrem erfolgreich zu sein. Die Einführung von Active O2 war die größte Innovation seiner Amtszeit. Hoechter glaubte an das Produkt, die Schwestern auch. 2024 füllten die Adelholzener Alpenquellen insgesamt 481 Mio Liter Wasser, Limonaden und Active O2 ab, so viel wie noch nie. 

Rosa Dick im Unglück

Als Hoechter dann nicht zu Ende 2023 ging, sondern um ein Jahr verlängerte (auch um den Rumor mit einer örtlichen Bürgerinitiative um die Umsetzung des Konzepts „Adelholzen 2040“ zu befrieden – INSIDE 943), zog der Orden die Nachfolgerin aus dem Hut: Silke Reuter, damals 54, Diplom-Kauffrau mit Marketingerfahrung (Haus Rabenhorst, Tchibo, Hamburg Messe, thinXforward sowie Friesland Campina) und vielen Followern in sozialen Netzwerken. Sr. Rosa Dick, Generaloberin der Kongregation der Barmherzigen Schwestern, freute sich, man habe mit „Frau Reuter eine innovative und kommunikationsstarke Führungskraft in die Geschäftsführung berufen“.  

Vorgeschlagen wurde Reuter mutmaßlich vom alten Beirat und damit von Hoechters dortigem Vorgänger Claus Peter Scheucher, bis 31. Mai 2023 Generalökonom der Kongregation. Scheucher damals: „Frau Reuter hat uns mit ihrer Branchenkenntnis genauso überzeugt wie mit ihrer Expertise in strategischer Markenführung und Innovationsmanagement.“ Der eventuell nicht ausreichend konsultierte Hoechter übernahm Scheuchers Erbe damit auch in dieser Hinsicht. Von Oktober bis Dezember 2024 blieb ihm Zeit, Silke Reuter zu beobachten, die sich vor allem auf Marketingaufgaben konzentrierte, Hoechters früheres Biotop – auch weil der schon 2010 zum Gesamtvertriebsleiter bei Adelholzener aufgestiegene Reinhard Sixtus weiterhin zuverlässig seinen Jobmachte. Am 1. Januar 2025 wechselte Hoechter an die Spitze des Beirats und zog schnell die Notbremse. Wenige Wochen später wurde über Nacht eine Dienstreise Reuters nach Korea storniert.

Interim hat Peter Lachenmeir, 53, Reuters Aufgaben übernommen. Von Ordensseite heißt es, ein Nachfolger für Reuter, sprich: für Hoechter, werde natürlich gesucht.

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