Die vom Markt und harter Pilsmarken-Konkurrenz zermürbte Brauhaus AG ist in die roten Zahlen gerutscht. Unterstützt vom Aufsichtsrat geht Vorstand Kerger mit der Heckenschere durch die Kostenstruktur.
Der Verzicht aufs Weihnachtsgeld reicht nicht aus. 22 Stellen wollen der seit 2023 amtierende Alleinvorstand Marc Kerger und der vom AR entsandte Consulter Streb streichen. Die aktuell (inklusive 15 Azubis) 140 Köpfe zählende Belegschaft soll schrumpfen. Neben der Beendigung befristeter Verhältnisse und einigen Vorruhestandsregelungen sollen auch elf betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Nach INSIDE-Informationen sind langgediente Vertriebler betroffen. So sollen der vor neun Jahren von Höpfner/Ahlers gekommene GVL Hannover Meik Rupprecht und auch der GVL Markus Heineke (nach zwölf Einbecker-Jahren) ausscheiden.
Ein tieferer Einschnitt ist der Abgang von Thorsten Eikenberg, der vor 35 Jahren bei Einbecker anfing und nach einem sechsjährigen Ausflug zu Warsteiner (König Ludwig) im Jahr 2012 als Gastro-VKD zurückkehrte. Kerger hatte ihn im Zuge einer ersten Restrukturierung im August schon zum Key Accounter degradiert und Handels-VKD Sören Wolff zum Gesamtchef gekürt. Jetzt kommt es zur kompletten Trennung. Laut Fachgroßhändlern ist Eikenberg bereits freigestellt.
Verlängerung im Kugelhagel
Der Kostendruck ist heftig, das Volumen sackt in diesem Jahr auf unter 400.000 hl, verteilt auf die zusammen rund 300.000 hl großen fünf eigenen Biermarken (Einbecker, Nörten-Hardenberger, Göttinger Härke, Martini), knapp 100.000 hl Lohnfüllung und die von Kerger gelaunchte neue Hanse Brause. Die Hauptmarke Einbecker steht im Fokus, eine neue Ausrichtung auf jüngere Verbraucher nimmt nicht alle mit. Der Transformations-Prozess der über 600 Jahre alten Brauerei verläuft nicht immer geräuschlos. Zu den neuen Etiketten hagelte es Kritik von Stammverwendern. Mit ironischen Filmchen hielt das Brauhaus dagegen, doch musste Kerger schließlich selbst via Social Media um Verständnis werben. Von Jüngeren immerhin erhielt der neue Auftritt auch Lob.
Der Weg zurück zu schwarzen Zahlen ist weit. Die Einbecker Brauhaus AG hat im ersten Halbjahr 2025 einen Fehlbetrag von 850.000 Euro ausgewiesen. Für das Gesamtjahr wurden 1,3 Mio Euro erwartet, doch das wird laut INSIDERN noch überschritten. Der Aufsichtsrat hat die verschärfte Marktlage im Blick und zeigt sich geduldig. Der im Herbst 2026 auslaufende Dreijahresvertrag von Alleinvorstand Marc Kerger dürfte in den kommenden Tagen verlängert werden.

