Der rückläufige Bierkonsum trifft die operativ schon im letzten Jahr in die Roten Zahlen gerutschte Einbecker Brauhaus AG mit voller Wucht. Der vor zwei Jahren aus der Spritbranche gekommene Vorstand kämpft mit Kreativität dagegen an. Auch im eigenen Interesse.
Marc Kerger, 53, sind keine Zweifel an seinem Wechsel in die Bierbranche anzumerken. Der vor zwei Jahren von Hardenberg Wilthen gekommene Alleinvorstand (zuvor mit Stationen bei MBG, Pernod Ricard und Jägermeister) will das Ruder bei der Einbecker Brauhaus AG unbedingt herumreißen. Und aus der komplexen Brauerei mit fünf Biermarken (Einbecker, Nörten-Hardenberger, Göttinger, Härke, Martini) und einer astronomischen Anzahl von Artikeln und Gebinden einen „breit aufgestellten Getränkeproduzenten“ machen.
Aktuell kommt unter einem neuen Markendach in einem weiteren Gebinde, 0,33-l-Longneck-Weißglas, AfG hinzu (vgl. „Bei uns im Kühlschrank – INSIDE 980): Hanse Brause (Cola, Orange, Cola-Mix). In der Pressemitteilung zum Stapellauf der neuen AfG-Range heißt es: „Die Einbecker Brauerei plant, die neue Marke Stück für Stück auszubauen – mit weiteren Sorten, vielleicht auch saisonalen Spezialitäten.“ Immerhin die PaulanerSpezi-Kopie Cora ist (nach einem „Gespräch“ mit den Anwälten von Paulaner) eingestellt worden.
Neuer Gesamtvertriebschef
Neben neuen Etiketten und Sorten für Einbecker (u.a. Null Bock, Lager 0,0) sowie einem Nörten-Hardenberger Hell krempelt Kerger das Unternehmen auch personell um. Dem schnellen Rauswurf zweier Langgedienter, Exportchef Ulrich Maiser und Marketingdirektor Ingo Schrader (INSIDE 961), folgt jetzt der Vertrieb. Handelschef Sören Wolff wurde zum Gesamtvertriebsleiter befördert. Gastro-Direktor Thorsten Eikenberg, 59, berichtet an ihn. Eikenberg muss neben den LEH-Key Accountern Olaf Hastedt und Marcus Friedrich (kam 2023 von Fuchs Gewürze) als Key Accounter Gastronomie auf Großkundensuche gehen. Die Feldmannschaft (10 Außendienstler plus Agenturen) haben Kerger und Wolff der früheren Eventleiterin Carina Ilsemann überlassen, die Kerger-Vorgänger Martin Deutsch zur GVL-Kernmarkt befördert hatte.
Konsumflaute und Angebotspreise der Pilskonkurrenz drohen die Brauhaus AG in diesem Jahr auf unter 500.000 hl Absatz zu drücken. Das fehlende Volumen schlägt auf die Ergebnisse durch. Schon für sein erstes Berichtsjahr 2024 musste Kerger ein Minus konstatieren. INSIDER rechnen dennoch mit einer Verlängerung seines bis nächsten Herbst laufenden Dreijahresvertrags.
Überschätzter Wechseleffekt
Der Aufsichtsrat wird im kommenden Jahr neu gewählt. Dass AR-Chef Robert Depner und sein Vize Jürgen Brinkmann, der Vertreter des größten Aktionärs Ireks (hält über 20%), im Amt bleiben, ist aus Altersgründen unwahrscheinlich. Dennoch soll sich nichts ändern, laut INSIDERN besteht im AR Einigkeit, dass Kergers Transformation Zeit benötigt. Die Aufseher hatten den emsigen Martin Deutsch (heute Vorstand GWF Franken) 2023 nach acht Jahren ausgemustert, in der Hoffnung mehr als die von Deutsch erkämpften zart positiven Zahlen zu erreichen. Nun muss man sich eingestehen, dass es nicht am Vorstand lag. Eine Modernisierung von Marken und Brauerei gilt dennoch als unausweichlich. Kerger darf das Projekt Umbau zu einem „breit aufgestellten Getränkeproduzenten“ weiter verfolgen.
Dass er Zeit dafür benötigt, hatte Markenmensch Kerger schon auf der letzten HV verkündet. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit vielen Zwischensprints.“

