"Lieber unbequem als beliebig"

Mirco Wolf Wiegert

Fritz-Kola will mehr sein als ein koffeinhaltiges Getränk – die Marke sieht sich als Statement. Gründer Mirco Wolf Wiegert erzählt, wie Fritz in Bars und Cafés groß wurde, warum echte Begegnungen wichtiger sind als Marketing und weshalb Haltung für ihn kein Buzzword, sondern Prinzip ist. Ein Gespräch über Authentizität, Mut und die Gastro als Bühne für Marken mit Charakter.

INSIDE FUTURE: Fritz-Kola ist heute Kult – wie wichtig war die Gastronomie für euren Markenaufbau?

Mirco Wolf Wiegert: Die Gastronomie ist unsere Welt. Wir haben mit 170 Flaschen in Cafés, Bars und Clubs angefangen – direkt und persönlich. Wenn du willst, dass deine Marke lebt, musst du dahin, wo Menschen sich begegnen. Gastro war für uns Bühne, Labor und Multiplikator zugleich.

Was macht die Gastronomie als Bühne für Marken so besonders im Vergleich zu anderen Vertriebskanälen?

In der Gastro entscheidet der Moment. Jeder ist Teil eines Erlebnisses, eines schönen Moments. Wenn jemand am Tresen eine Fritz bestellt, ist das ein Statement. Im LEH sind viele Konsumenten oft gestresst und wollen „mal eben“ ihre Einkäufe erledigen. In vielen inhabergeführten Märkten allerdings gelingt es uns, auch dort ein kleines Erlebnis zu schaffen.

Und welche Rolle spielen Gastronomen als Multiplikatoren für eure Marke?

Gastronomen sind unsere Verbündeten. Sie entscheiden, was auf die Karte kommt – und damit, welche Haltung sie zeigen.  Wer Fritz führt, zeigt, dass ihm mehr als nur Umsatz wichtig ist.

Fritz-Kola wird in Bars, Cafés und Restaurants nicht nur verkauft, sondern ist auch eine sehr sichtbare Marke … 

… nur wer sichtbar ist, kann gekauft werden. Ich habe schon einige Gastronomen erlebt, die sich im Test haben überzeugen lassen, ihre Getränke bewusst zu zeigen und nicht irgendwo zu verstecken. Et voilà: Sie haben mehr Getränke verkauft. Dieses Zeigen der Ware unterstützen wir aktiv.

Wie wichtig sind Design, Storytelling und Haltung, wenn man über die Gastronomie Marke machen will?

Wir sind die Story und diese wird gerne erzählt. Ein zeitgemäßes Design ist extrem wichtig und Teil unserer DNA, genauso wie „Haltung“, auch wenn der Begriff schon etwas breit geworden ist. Woanders kann man Haltung auch mit „Hausverstand“ übersetzen. Unsere Gastronomen sind häufig im positiven Sinne „Menschenfänger“ und haben richtig Lust auf Gäste. Das ist genau unser Ding und hier fühlen wir uns wohl.

Wie wählt ihr die Betriebe aus, mit denen ihr zusammenarbeitet – was muss eine Location mitbringen, damit sie  zu Fritz-Kola passt?

Authentizität. Uns interessieren keine Hochglanzfassaden, sondern echte Orte mit Haltung. Wer Fritz will, muss auch Fritz sein – klar, kantig, kompromisslos.

Warum seid ihr in der Gastro im Vergleich zu den großen US-Softdrinkmarken die bessere Wahl?

Gute Frage. Wir wollen uns hier gar nicht vergleichen.

Wie schafft ihr den Spagat zwischen Subkultur und Mainstream in der Gastronomie?

Indem wir uns treu bleiben. Wir sind in der Subkultur groß geworden, aber wir wachsen mit unseren Kunden. Wichtig ist: nie anbiedern, nie verbiegen. Lieber unbequem als beliebig.

Gibt es bestimmte Konzepte oder Gastro-Trends, die besonders gut zu eurer Marke passen?

Alles, was lokal denkt, nachhaltig handelt und den Mut hat, anders zu sein. Musikfestivals, vegane Küchen, Bars mit Haltung – da sind wir zu Hause.

Wie verändert sich die Rolle der Gastro-nomie für Marken wie Fritz-Kola – gerade in Zeiten von Digitalisierung und Nach-haltigkeit?

Die Gastro wird digitaler, aber bleibt analog im Herzen. Menschen wollen echte Begegnungen. Nachhaltigkeit wird zum Muss – und da sind wir mit Glasmehrweg und kurzen Lieferwegen vorn dabei. Gleichzeitig erlebe ich, dass Gastronomen heute mehr um jeden Euro kämpfen müssen und Gäste auch bereit sind, in „To Go“-Venues zu gehen und dort zu konsumieren. Hier hat sich viel getan und unsere Kunden haben ihre Objekte aufgewertet, so dass auch hier Nutzen und Erlebnis geliefert werden. Das, was häufig als „Down Trading“ bezeichnet wird, wird von Gästen weniger als solches erlebt, da der Grundnutzen – Essen und Trinken mit Freunden – immer noch gegeben ist.

Für das Gastgewerbe sind es momentan herausfordernde Zeiten. Inwiefern kann eine Marke wie Fritz-Kola der Gastronomie zur Seite stehen?

Wir sind kein Konzern, wir wollen Partner auf Augenhöhe sein. Mit unserer Marke Fritz-Kola helfen wir Gastronomen, sich dem Preisdruck und der Vergleichbarkeit zu entziehen. Wir sind unseren Preis wert – in Gastro wie im LEH. Wir unterstützen auch in diesen Zeiten mit der notwendigen Ausrüstung zum Getränkeverkauf und positionieren uns als wertige Marke, beispielsweise auf Festivals oder in attraktiver Gastronomie mit Leuchtturmwirkung.

Welchen Absatz macht ihr ungefähr über die Gastronomie? Welche Fritz-Sorte ist dort die stärkste?

Wir sind als Fritz-Kola gestartet und halten dies auch noch nach fast 23 Jahren im Fokus. Mittlerweile gehören wir in der deutschen Gastronomie zu der Nummer 2 im Kola-Segment. 

Was würdest du jungen Getränkemarken raten, die über die Gastronomie sichtbar werden wollen?

Geh raus. Rede mit den Leuten. Sei unbequem. Und vor allem: Sei klar in dem, wofür du stehst. Haltung schlägt Marketing.

Interview: Holger Messner

Gemeinsam mit Lorenz Hampl gründete er 2003 die AfG-Marke Fritz-Kola in Hamburg. Mit nur 7.000 Euro Startkapital und einer  gehörigen Portion Mut forderte  er die großen Softdrink-Konzerne heraus. Heute ist er das Gesicht hinter einer nicht mehr ganz unabhängigen Marke (Jägermeister-Erbe Florian Rehm hält 30%), die für Subkultur, Kreativität und Haltung steht.

 

DIeser Text erschien erstmals in der Sonderausgabe INSIDE FUTURE 2025 #2 Ende Oktober 2025.

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