Oettinger als Galionsfigur

Not amused war man diese Woche bei der Oettinger Braugruppe über einen von der NGG ausgerufenen vierstündigen Warnstreik für alle drei Braustandorte (Oettingen, Mönchengladbach, Braunschweig) und bei der Logistik-Tochter TSL. „Vor dem Hintergrund der allgemeinen Branchenentwicklung und unserer darauf aufbauenden strategischen Neuausrichtung“, so die Braugruppe auf Anfrage, sei „Streik als aggressiver Verhandlungsakt jedoch kontraproduktiv“.

Damit steht die Braugruppe nicht allein; die deutsche Brauwirtschaft (traditionell ein großzügiger Arbeitgeber) rutscht angesichts des brutal sinkenden Bierkonsums (siehe auch S. 5) vielerorts in die roten Zahlen und sieht keinen Spielraum für Verhandlungen. Der überraschend hohe Tarifabschluss der bayerischen Brauer mit +6,5 % sorgte in der Branche für Befremden. Jetzt beweist der Billigbrauer aus Oettingen mehr Härte und schwingt sich zum Hoffnungsträger für Arbeitgeber auf.

Die NGG beklagt, in der ersten Tarifverhandlung am 4. Juni habe die Arbeitgeberseite, also Oettinger, kein Angebot für eine Entgelterhöhung gemacht, sondern stattdessen eine Verlängerung der Arbeitszeit von 37 auf 40 Stunden in der Woche gefordert. Der gültige Manteltarifvertrag, so die Oettinger-Replik, sei „über 20 Jahre alt und in vielen Punkten weder zeitgemäß noch zielführend, um als Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben zu können.“ Die NGG fordert u.a. eine Erhöhung der Entgelte in den Braustätten der Oettinger Gruppe um 6,6 % sowie 8,2 % für die TSL. Vor zwei Jahren hatten sich beide Seiten noch auf gut 7% mehr Lohn geeinigt, für die Angestellten der TSL auf über 9% - im Vergleich der damals vereinbarten Abschlüsse eher moderat. Zudem hatte die NGG für den gestrigen Donnerstag auch zu Warnstreiks „an zehn Standorten beim Rewe-Logistiker Trinks“ (Rewe, Bitburger, Krombacher, Warsteiner) aufgerufen. Trinks Süd blieb davon zumindest bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe ausgenommen.

Share this article: