Outsider: Schizophrene Getränkewelt

Holger Messner

Lieber INSIDER,

Sommer, Sonne, Sorgenfalten! Die vergangenen Hitzetage waren ohne Zweifel der sehnlichst erwartete Katalysator für das Geschäft. Die Sonne ist eben noch immer das beste Enzym für sprudelnde Absätze. Und doch: Die Stimmung in Teilen der Branche bleibt angespannt. Denn auch wenn der Juni besser werden dürfte, hat der Bierabsatz im Mai einen historischen Bauchplatscher hingelegt. Aufgelaufen schwappten 6,5 Prozent aus dem Markt – das tut weh. Selbst das gerne zum Heilsbringer aufgebauschte Bleifrei kann da nur kosmetisch eingreifen und die blauen Flecken allenfalls kaschieren. In Zahlen: Mit alkoholfreien Varianten eingerechnet, schwächt sich das Minus minimal auf 6,2 Prozent ab. Fakt bleibt: Über 1,8 Millionen Hektoliter sind seit Jahresbeginn futsch.

Doch nicht die gesamte Branche ächzt. Während Bier zusammen mit Wein und Sprit unter drastischem Bauchweh leidet, verzeichnet AfG Zuwächse. YouGov meldet Umsatzsteigerungen bei Mineralwasser von 15,7 Prozent. Auch AfG insgesamt entwickelt sich stabil: Circana sieht ein Umsatzplus von +4,8%, getragen vor allem vom Aufwind in den Volumendrehern Verbrauchermärkte (Umsatz: +4,9%, Absatz +1,6%) und Harddiscount (+6,5%, +2,5%). Aber auch der drittstärkste Kanal GAM legt Circana zufolge um +3,5% bzw. 0,4% zu.

Tristesse herrscht in der Gastronomie. Die Frequenz bleibt hinter den Erwartungen zurück und die Bons sind enttäuschend. Ob großer Brauer oder Softdrink-Konzern – das rückläufige und immer anspruchsvollere Gastgewerbe (siehe S. 16 Preismonitor Gastronomie) bereitet allen Beteiligten Kummer. Die getränkelastige Gastro leidet. Nach Meoton-Zahlen sind aus dem Bereich Club/Diskotheken im letzten halben Jahr ein Fünftel der Outlets verschwunden. Und nun braut sich auch noch Ungemach bezüglich der im Koalitionsvertrag beschlossenen Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie zusammen. Die finanzielle Erleichterung für Gastronomen steht im Rahmen der Diskussionen um die Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher plötzlich wieder im Feuer. Ifo-Präsident Clemens Fuest etwa hält es für richtig, auf die Mehrwertsteuersenkung für Gastronomen zu verzichten, falls die Regierung ihr Stromsteuer-Versprechen doch noch wahr macht. 

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