Lieber INSIDER,
kalt und dunkel ist es geworden. Der Markt für (alkoholhaltige) Getränke steckt in der Krise und muss sich für die kommenden Jahre warm einpacken. Es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Doch die ist gemeinerweise teuer.
Wenn der Trend anhält (und leider gibt es wenig Grund daran zu zweifeln), haben Wein, Sekt, Sprit und Bier am Ende des Jahrzehnts bis zu einem Viertel ihres Volumens verloren. INSIDE sollte in diesen Tagen doch in der Berichterstattung die harten Spitzen weglassen, ermahnte mich ein großer Hersteller letzte Woche. Doch das werden wir nicht. Wir Outsider sind mit Leidenschaft bei den Menschen und Firmen dieser Branche. Und dazu gehört auch Offenheit.
Mit wohlmeinenden Worten ist es ohnehin nicht getan. Um die Strukturen anzupassen, muss viel Geld in die Hand genommen werden. Effizienz muss man sich leisten können. Die 100 Mio Euro, die Bernhard Schadeberg in seine Krombacher Brauerei investiert (s. S. 12), kann nicht jeder aufbringen.
Es duftet nicht nach Anis und Zimt, sondern eher nach Restrukturierung. Auf allen Stufen: Mälzer legen Kapazitäten, Hopfenbauern Flächen still (siehe Seiten 8 und 10). Bei Einbecker und Carlsberg (Seiten 5 und 6) werden Stellen gestrichen. Im Haus Cramer bekommt der Außendienst den Ernst der Lage in Form einer neuen Dienstwagenregelung zu spüren (Skoda statt Mercedes). Hinter den Kulissen wird in Warstein freilich über vertikale und horizontale Anknüpfungspunkte nachgedacht. So wie derzeit fast überall.
Daraus speist sich mein Optimismus. Die Krise macht erfinderisch. Alte Dogmen, alter Stolz wird überwunden. Mit schlauen Kooperationen (siehe Dithmarscher, S. 17) lässt sich einiges abfedern. Getränkemarken verlieren nicht ihre Bedeutung. Als Flüssigkeits- und Geselligkeitsspender, als Kulturgut und als emotionales Bindeglied sind sie in einer digitalen KI-Welt vielleicht noch unersetzlicher.
Veränderung aber ist unausweichlich. Die kommenden Jahre werden zeigen, wer sich warm genug eingepackt hat. Wir werden darüber berichten, online und im Magazin. Und in der gewohnten Form.
Das, was in diesem Jahr schon los war, können Sie in unserem Rückblick nachlesen, der dieser Ausgabe beiliegt. Ich wünsche Ihnen im Namen unseres ganzen Teams ruhige Tage und reichlich Apfel, Nuss und Mandelkern.
Ihr Outsider

