Lieber INSIDER,
„Berentzen in Haselünne hat zunächst seine Hausdestille auf die Produktion von Ethanol umgestellt, um Apotheken und Krankenhäuser zu bedienen. Die Haselünner wollen auch selbst mit der Herstellung von Desinfektionsmitteln beginnen und sind in Verhandlungen mit Kooperationspartnern.“ – Das schreiben wir 2020 (INSIDE 848), da ahnten die Ersten, was mit Corona auf die Welt zukommen würde. Nicht nur Berentzen diversifizierte in Sortimente, von denen sie zuvor nicht mal geträumt hatten. Das klingt aktuell besonders verrückt. Letzte Woche ist der europäische Gesundheitssektor gerade noch mal knapp um ein Verbot von Ethanol in Desinfektionsprodukten vorbeigeschrammt. Zuvor hatten mehr als 840 Organisationen, Verbände, Unternehmen und Einzelpersonen heftigst gegen ein solches, vom Ausschuss für Biozidprodukte der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) zur Abstimmung gestelltes Verbot gewehrt. Ihr Einwand: Die Daten für die Einstufung von Ethanol als CMR-Substanz (krebserregend, erbgutverändernd oder reproduktionstoxisch) beruhten auf Studien, die die „orale Aufnahme“ (für uns: das Trinken) von Alkohol untersucht hätten – und nicht die Verwendung als Desinfektionsmittel.
Vor zwei Wochen hatten wir in INSIDE ausführlich den Wissenschaftler Dr. Nicolai Worm zitiert. Er wies nach, wie Anti-Alkohol-Lobbyisten rund um die Guttempler Studien mitfinanzieren, die dann von WHO und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) adaptiert werden. Auf Basis solcher Studien gerät nun auch Ethanol als Desinfektionsmittel in Misskredit. Die ECHA hat den Beschluss zum Glück vertagt; womöglich sind die Eisblumenwiesen schon wieder trocken, wenn die Diskussion neue Fahrt aufnimmt. Bei der oralen Verwendung hingegen ist nichts aufgeschoben, wie alle befürchten müssen, die bei Wein, Bier oder Sprit investiert sind.
Nicht nur in Mannheim (siehe Titel), auch in Braunschweig brennt es lichterloh. Während nebenan die Oettinger-Dependance zur Erleichterung der Branche von CEO Stefan Blaschak weggedampft wird, stuft nach Recherchen des Handelsblatts der Branchenverband BVR die Volksbank Brawo seit wenigen Wochen als eine Präventionsbank ein „und dabei als einen Fall für eine Neustrukturierung“. Da dürfte die Beteiligung am trotz mehrmaliger Finanzspritzen hoch wackligen Hofbrauhaus Wolters ein besonders dunkler Fleck sein. Von Seiten Brawo heißt es, aufgrund des Geschäftsmodells und der Größe sei nachvollziehbar, „dass der BVR das Institut begleitet und beobachtet (...). Auch ist keine Änderung der Strategie oder Ähnliches gefordert.“ Bei Wolters wäre eine „Änderung“ ohnehin nicht ganz einfach. Stichwort Buchwerte.
Ihr Outsider

