Stefan Blaschak

Ist das schon Harakiri oder mutiert Stefan Blaschak derzeit zum Vater Courage der deutschen Brauwirtschaft? Mit einer ziemlich beispiellosen Medienkampagne schoss sich der Oettinger-CEO diese Woche auf die Genossen von der NGG ein, die ihrerseits zwar ordentlich auf Krawall gebürstet sind - allerdings aber nirgendwo so viel Gegenwind bekamen wie ausgerechnet aus dem Donauries. Zu Zeiten von Günther und Sohn Dirk Kollmar hatten sie sich an den ehedem vier Standorten noch ordentliche (Mantel-)Tarifverträge erarbeitet - allein: Jetzt kracht es im Gebälk.

Im Juni 2023 hatte Oettingers unter Beschuss der Banken geratene Matriarchin Pia Kollmar Stefan Blaschak als neuen CEO installiert. Der setzte nicht nur ihren Kurs fort, Führungskräfte unter und vor allem neben sich an die Luft zu setzen, sondern verkündete unlängst auch (wie Pia K. vor zwei Jahren) das Aus des nächsten Standorts, in diesem Fall Braunschweig - flankiert von nachvollziehbaren betriebswirtschaftlichen Erwägungen. Dass die deutsche Brauwirtschaft unter massiven Überkapazitäten und rauschartigen Absatzverlusten leidet, weiß mittlerweile jeder, auch die NGG; und auch Blaschaks diese Woche via Augsburger Allgemeine ventilierte Warnung vor dem großen Brauereisterben ("Die Welt der Brauereien bröckelt, bei den Kleinen sehen wir fast täglich Insolvenzen, es wird auch die Großen treffen") blieb unwidersprochen. 

Allerdings, das ist die andere Seite der Medaille, goss Blaschak auch die maximale Ladung Öl ins Feuer - manchmal so, dass man nicht wusste, was er am Ende damit wirklich bezweckt und ob wirklich ein großer Masterplan dahintersteht oder nur Verschleierung. Er provozierte mit Ansagen, die bei der Gegenseite dazu führten, dass die NGG den Streik in Oettingen auf eine ganze Woche verlängerte und auch in Mönchengladbach eine extended Version des Arbeitskampfes anbot: “Dass sie (die NGG; Anm. d. Red) nun zum dritten Mal zum Streik aufgerufen hat, anstatt endlich gemeinsam eine Einigung zu erarbeiten, zeugt von maßlosem Eigennutz und unfassbarer Realitätsverweigerung.” 

Das empfindet man auf der anderen Seite derzeit ebenso, wo Manteltarifverträge als unumstößlich und Gehaltserhöhungen bislang immer als gesetzt galten. Noch hallen die Begleitschmerzen der unlängst beendeten Arbeitskämpfe um die Radeberger-Brauereien nach, um Wernesgrüner und Köstritzer, allesamt im Osten, wo die arbeitgebenden Konzerne am Ende zu Kreuze krochen. Bei der Oettinger Braugruppe stehen die Zeichen, Stand heute, noch auf Kampf. Wenn Blaschak ihn am Ende zu einem Sieg deuten kann, werden sie ihm ein Denkmal bauen. Er hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, um jetzt noch verlieren zu können.

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