Die Diskussionen um das Verbot des Fungizidwirkstoffs Dimethomorph (DMM) reißen nicht ab. Zwar haben sich die meisten Hopfenbauern auf die vermeintlich sichere Seite gerettet und bringen für die aktuelle Ernte nur noch Fungizide aus, die kein DMM mehr enthalten. Mit Blick auf Abverkaufsfristen geht das Feilschen nun aber erst richtig los.
Wie in der letzten INSIDE Ausgabe 951 berichtet, müssen gemäß einer EU-Durchführungsverordnung die Mitgliedsstaaten die Zulassungen für Fungizide, die DMM enthalten, spätestens bis 20. November 2024 widerrufen. Dann gilt eine Abverkaufs- und Aufbrauchfrist bis 20. Mai 2025 – oder eben erst mal auch nicht. Derzeit laufen alle diplomatischen Kanäle heiß, um die Frist zumindest deutlich verlängert zu bekommen.
Als wenig hilfreich erweist sich im Nachhinein, dass die Hopfenindustrie Brauereien seit Jahren ans Herz gelegt hat, aus Gründen der Versorgungs- und Qualitätssicherheit mindestens zwei Ernten einzulagern. Das könnte jetzt zum Bumerang werden. Womöglich hatte die EU mit ihrer Verordnung vor allem den Einsatz der DMM-Mittel bei diversen Obstsorten im Blick, die zeitnah zur Ernte verzehrt werden. Der aktuelle Trouble um die lästigen Aufbrauchfristen erinnert grob an den mit amerikanischen und tschechischen Hopfen mit zu hohem Gehalt an Etoxazol und Bifenazat; auch dort geht es um Abverkaufs- und Verbrauchsfristen (INSIDE 945).
Allein die Reaktion der Verbände seinerzeit – Hopfenpflanzer aus den USA, aus Tschechien, die German Hop Industry Association und die Europäischen Brauer (Brewers of Europe) warnten vor Verlusten von über 100 Mio Euro für die Hopfenindustrie und schwerwiegende Auswirkungen auf die europäischen Brauer – lassen erahnen, was in den kommenden Monaten mit Blick auf DMM hinter den Kulissen verhandelt wird. Schätzungen gehen davon aus, dass 95% aller gelagerten deutschen Hopfen mit DMM-Fungiziden behandelt wurden. Für die Umsetzung der EU-Verordnung ist in Deutschland das Landwirtschaftsministerium zuständig. Bleibt aus Sicht der Hopfenwirtschaft die Hoffnung, dass man es dort nicht ganz so eilig hat.
Printartikel aus INSIDE 952
